Rundbrief 2015

Ein Jahr neigt sich dem Ende zu, es steht wieder ganz plötzlich Weihnachten vor der Tür… Es ist Zeit für den Weihnachtsrundbrief. Letztes Jahr pausierte ja diese Tradition, so dass wir eigentlich auf zwei Jahre schauen müssen.

Einen Blick zurück und dabei die Zukunft gestalten, was diesmal nicht nur für 2016 gilt, aber dazu später.

Wetter

Über das Wetter von 2014 müssen wir heute nicht mehr sprechen. 2015 war es in Schleswig Holstein deutlich anders als südlich der Elbe, einem milden Winter folgte ein kaltes, relativ trockenes Frühjahr, bis in den Juni keine Nacht mit Temperaturen über 8 C°. Der Sommer war warm mit wenigen auch heißen Tagen und immer ausreichend Wasser. Die Hitze und Trockenheit des Südens hat uns zum Glück verschont. Dann ein super schöner Herbst mit leider sehr früh dem ersten, leichtem Frost (zu viel für unsere Kürbisse)  und ein sehr nasser, warmer und stürmischer Winteranfang.

Das Team

2014 bis August 2015 waren wir hier mit recht vielen Leuten zugange. Leider gab es in der sehr heterogenen Gruppe Differenzen und es war nicht möglich zu einem gemeinsamen ´Wir´zu kommen. Jetzt haben wir weniger Mitarbeiter und deutlich reibungslosere Abläufe.

Nicole kümmert sich immer noch liebevoll um die Pferde, Einsteller und Praktikanten.  Jörg („Der mit den Treckern spricht“) gehört sowieso zum Inventar. Britta hat 2014 ihre Gärtnerprüfung bestanden und ist jetzt verantwortlich für Gemüse und Hühner. Desweiteren haben wir derzeit zwei Auszubildende, zwei Studenten-Praktikanten und zwei Praktikanten im Rahmen der sozialen Arbeit.

Last but not least, bin ich natürlich auch noch dabei. Mein größtes derzeitiges Projekt ist der Bau von 80 qm Wintergarten für die Hühner.

 

Diverse Katzen, Meerschweinchen, ein „Kaukasischer Steppenwolfspitz“ (Brittas Hofhund) und das „Hühner-Lazarett“ machen ebenfalls den Hof unsicher.

kira

Die Hühner kommen (sind da) Lächelnd

Was für Hühner?! Ja, wir haben jetzt tatsächlich Hühner!

Alles begann vor fast 3 Jahren mit einer Anfrage von Naturkost Nord, die einen weiteren Lieferanten für Bruderhahn-Eier suchten. Bei der Bruderhahn-Initiative werden die Brüder der zukünftigen Legehennen nicht als Küken geschreddert, sondern als Masthähnchen aufgezogen. Ich fand Hühner seien eine spannende Ergänzung unseres Betriebes, konnte aber keinen geeigneten Stall finden, so dass ich das Ganze auf Eis gelegt habe, bis ich auf den Stall der Firma Rowa aufmerksam wurde.

Dieser Stall erfüllte die Anforderungen: vollmobil über alle Flächen bewegbar, straßentauglich und auch bei unebenen Gelände noch austarierbar. Nach einigem Rechnen bezüglich der Wirtschaftlichkeit, nach langem Hin und Her mit den in Punkt Legehennen nicht lesbaren Demeter-Richtlinien und nach einer „Hühner-Weiterbildung“, ging es im Januar 2015 endlich los. 698 Hühner und 14 Hähne haben bei uns ihren neuen Stall bezogen. Die Tiere haben wir komplett über „Huhnaktien“ finanziert. Danke an alle, die dabei geholfen haben!

Unser Konzept der Hühnerhaltung: Die Hühner wandern in der Fruchtfolge mit. Über alle Flächen, möglichst in der Gründüngung vor dem Kohl. Die Hühner finden ihre „Umzüge“ klasse, haben sie so doch immer wieder frisches Grün auf einer Parasiten freien Fläche. Und wir sind ganz begeistert von der guten Bodenvorbereitung durch die Tiere, besser als jede Fräse.

Und dann kam ein großer Rückschlag, plötzlich sollten unsere Hühner und Eier nicht mehr Demeter sein, Probleme mit der Wintergarten-Größe, den Sitzstangen, Auslaufluken. Trotz aller sorgfältigsten Bemühungen war es uns nicht gelungen, einen Demeter konformen Stall bauen zu lassen… Inzwischen sind die Umbaumaßnahmen im vollen Gange und wir dürfen unsere Eier wieder als Demeter-Eier vermarkten.

Den Hühnern war die ganze Aufregung total egal, sie fühlen sich „hühnerwohl“ in ihrem Stall, liebehuehner_ankunftn ihren Auslauf und sind ganz zutraulich und neugierig. Bei Arbeiten im Stall,  sitzt dann plötzlich ein Hühnchen auf der Schulter und beim Weizenstreuen stehen sie einem so auf den Füßen, dass man kaum noch treten kann …J

Natürlich legen unsere Hühner auch ganz fleißig Eier. Und die sind richtig, richtig lecker!!!

 

Anbau und Ernte

Durch die klimatischen, technischen und personellen Voraussetzungen war die Ernte durchwachsen. Durch den kalten Frühsommer taten sich viele Kulturen schwer mit dem Start,die Zucchinis wollten gar nicht recht in Gang kommen und der Zuckermais hat sich sehr gequält. Unser Mangold hat leider sehr früh angefangen zu blühen. Die gelben Beete dagegen sind sehr schön gewachsen. Im Mai/ Juni waren gleich alle drei Schlepper mit Kupplungsschäden und zum Teil sehr langer Ersatzteilbeschaffung liegen geblieben und machten es unmöglich eine rechtzeitige Kulturpflege (Hacken, Kartoffeln striegeln…) zu betreiben. Ein Leihschlepper sorgte dafür, dass im Heu und beim Pflanzen alles glatt ging. Der erste Heuschnitt war denn auch sehr reichlich bei einer super Qualität.

2014 haben wir in Mielkendorf, rund 2 km vom Hof entfernt, acht Hektar Land dazu gepachtet. Leichter Boden, nur leicht hügelig und bereits als Naturlandfläche auf Bio umgestellt. Dies ermöglicht uns nun sehr viel eher zu starten (bei unseren anderen Flächen ist der Boden ja im Frühjahr oft noch lange sehr nass und kalt). Und auch Kartoffel und Möhren anzubauen, leider haben wir dort aber auch ein riesiges Problem mit Quecke. Einzig die Kürbisse hatten gegen diese eine Chance. Kartoffeln, Zwiebeln und Möhren haben wir einfach nicht sauber bekommen.

Der Kohlacker sieht trotz einiger Kulturfehler (Steckrüben, Chinakohl) und trotz der lieben Hasen und Rehe (wir hatten leider keinen Zaun um die Fläche und die Tierchen haben den Romanesco und Superschmelz komplett verputzt…) recht gut aus. Super schöner Wirsing, toller Rotkohl, leckerer Rosenkohl.

rosenkohl

Pferde

Pferdepension: 2013 haben wir einen schönen, neuen Offenstall mit zwei Paddocks gebaut und somit Platz für bis zu 30 Pferde. In der Zeit bis Sommer 2015 waren wir auch relativ ausgebucht, zur Zeit sind ein paar Plätze frei und wir würden uns über neue Gäste freuen.

 

Reitschule: Seit Sommer 2014 ist Anne Brandt bei uns und etabliert mit ihren Pferden eine therapeutische Reitschule auf dem Hof. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten kommen jetzt doch erfreulich viele Anfragen. Leider ist es schwierig, die Reitschule in die Pferdepension zu integrieren. Da wären manchmal etwas mehr Kompromissbereitschaft und Toleranz von allen Seiten wünschenswert.

 

Soziale Arbeit

Wir Begleiten Menschen, die es vorübergehend aus dem Leben geworfen hat, auf ihrem Weg in einen geregelten Alltag. Die Arbeit an der frischen Luft, das Gefühl gebraucht zu werden, sinnvolles und nützliches zu tun, klare Tagesstruktur… sind für alle heilende Erfahrungen, die Mut machen und dem Leben wieder Sinn gebepferden. Ich denke, wir leisten hier sehr wertvolle Arbeit und freuen uns immer wieder an den Fortschritten, die hier erreicht werden. Derzeit erarbeiten wir einen Leistungskatalog mit Preisliste, da sich trotz wiederholter Versuche einfach kein Topf finden ließ, aus dem unsere Arbeit bezahlt werden konnte.

 

Vermarktung

Der Höfeladen ist nun auch schon seit vier Jahren in seinem neuen Kleid im Gange. Sylvia hat ihn inzwischen zu einer bekannte Einrichtung hier etabliert.

Vor zwei Jahren haben wir mit der Vermarktung über den Wochenmarkt in Kiel auf dem Exer begonnen, dort vermarkten wir zweimal die Woche fast ausschließlich unsere Erzeugnisse und kaufen nur die Dinge zu, die wir anbauen, aber schon restlos ausverkauft haben. Dieses Standbein ist zunehmend eine wichtige Säule der Vermarktung.

Natürlich verkaufen wir auch weiterhin an unseren Großhandel Naturkost Nord und haben den Reformhaus Handel HarderReform als Kunden (primär für die Eier) dazu gewonnen.

 

Soweit der Rückblick…

Die Zukunft ?!

 

Kürzlich erhielt ich einen Anruf von unserem Verwalter: Verpächterin Frau Jürgens  möchte den Hof nun doch verkaufen. Dies war vor zwei Jahren ja schon einmal Thema, dann von ihr aber erst mal wieder ad acta gelegt worden. Jetzt ist es  ganz offiziell, es gibt auch schon einen Kaufinteressenten, wir haben jedoch das Vorkaufsrecht.

Ich habe bereits mit der Rudolf-Steiner Stiftung gesprochen, die durchaus Interesse an einem Freikauf hat. Die Rudolf Steiner Stiftung für Landwirtschaft e.V. würde dann Eigentümer des Hof Wittschap werden, nicht ich persönlich.
Der gemeinnützige eingetragene Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die biologisch-dynamische Landwirtschaft zu fördern und in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Der Grund und Boden und der Hof wären somit aus dem Privatbesitz herausgelöst. Er ist dann nicht mehr vererbbar und steht dadurch in seiner Ganzheit für nachfolgende Bewirtschafter uneingeschränkt als Demeter Hof zur Verfügung.

Jetzt sind wir alle gefragt: Wollen wir diesen Hof als landwirtschaftlichen Betrieb, als Demeter-Betrieb erhalten? Auch für die Zukunft, über den Ablauf des Pachtvertrages (2025) (der auch für den neuen Käufer bindend wäre) hinaus?  Oder wollen wir hier Raps oder Mais in großflächiger Monokultur, Bauland, ein Gewerbegebiet?

Wir hoffen, dass wir eine Bereicherung für diese Region sind. Wir hoffen, dass ganz viele Leute in irgendeiner Form von unserer Arbeit profitieren und an diesem Hof Interesse haben. Und wir hoffen, dass dies auch nach 2025 noch so sein kann…

Nun sind wir auf Eure Hilfe angewiesen: Ideen zur Finanzierung, Hofaktien (?), Spenden….. wir freuen uns über jede Unterstützung. Und über jeden, dem dieser Hof auch am Herzen liegt.

 

Jetzt können wir hier die Weichen für die Zukunft stellen:

Lasst uns aus dieser Chance etwas  machen!!!

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